|
Altersvorsorge ist eines der unbeliebtesten, komplexesten und dennoch wichtigsten sowie aktuellsten Themen der heutigen Zeit. Für den weniger erfahreneren Sparer wirkt die meist sehr lange Zeit, auf die es zu planen gilt, abschreckend. Viele Modelle die Versicherer und Banken anbieten sind wenig transparent aufgebaut und kaum ohne Hilfe eines Vermögensberaters zu entziffern. Dennoch ist Altersvorsorge keine Magie, in den Folgenden Artikeln werden Grundlagen und Möglichkeiten der Altersvorsorge beleuchtet. Mit diesen Informationen sollten sie für ihre eigene Planung oder den Besuch beim Vermögensberater gewappnet sein.
Quelle: Institut f?r Finanzdienstleistungen
Denkfehler 1: Die Altersvorsoge hat Zeit
Wie bei allen Formen der Geldanlage ist auch bei der Altersvorsorge ihre "Zeit" ihr größtes Kapital. Sie kennen sicher das Sprichwort: "Zeit ist Geld". Dieses Sprichwort könnte auch "Zeit schafft Geld lauten". Mathematisch gesehen arbeitet der Zinseszins über sehr viele Jahre hinweg für sie. Versicherungstechnisch gesehen verschenken sie je später sie an ihre Altersvorsorge denken, sehr hohe Beträge an staatlichen Förderungen.
Nehmen wir einmal an Susi spart 40 Jahre lang monatlich je 100 Euro in eine mit 5 % verzinste Form der Altersvorsorge. Durch Zinseszins sammeln sich 148.281,72 Euro an. Strolch hingegen denkt erst ab dem 40. Lebensjahr daran, für die Altersvorsorge zu sparen. Um das gleiche Endergebnis wie Susi zu erzielen, muss Strolch rund 243 Euro im Monat zurücklegen. Um den oben genannten Betrag anzusparen, musste Susi nur 48.000 Euro ihres eigenen Geldes über 40 Jahre zurücklegen. Das von Susi eingesetzte Kapital hat sich also während ihrer Sparzeit verdreifacht, (Zeit schafft Geld). Strolch hingegen muss für die gleiche Summe 72.900 Euro seines eigenen Geldes zu steuern. Susis Entscheidung 15 Jahre eher an die Zukunft zu denken, haben ihr 24.900 Euro gespart.
Gerade bei Produkten wie der Riesterrente können bei kleinen Sparbeträgen sogar deutlich höhere Verzinsungen als 5 % erzielt werden, dementsprechend größer würde auch der Unterschied zwischen den beiden Fallbeispielen ausfallen können.
Denkfehler 2: Die gesetliche Rente reicht mir
Kein Tag vergeht, an dem Norbert Blüm und sein Statement "Die Rente ist sicher" nicht irgendeine ironische oder satirische Erwähnung in den Medien oder alltäglichem Gebrauch findet. Es ist kein Geheimnis mehr, das der Sozialstaat Deutschland und der Generationenvertrag in der Krise stecken. Karrikaturen auf denen ein junger Staatsbürger eine Last von mehreren Rentnern tragen muss sind nicht selten. Sie werden stauen, der Sozialstaat ist nur eines der kleinsten Probleme.
Richtig ist, je mehr die Rentenkassen überlastet werden, desto niedriger wird wohl die individuelle Rente in 20, 30 oder 40 Jahren ausfallen. Falsch ist, das dieses ausschließlich auf die Geburtenraten und den Generationenvertrag zurückzuführen ist. Selbst wenn jeder deutsche Haushalt von heute auf morgen unzählige Kinder hervorbrächte, solange diese keine Arbeit finden würden, sprich die Gesellschaft nicht effizient wäre, wäre die Rente genauso wenig sicher. Anders formuliert, der Deutsche Staat kann nicht Konkurs anmelden, er könnte theoretisch immer neues Geld in den Umlauf bringen. Eine gänzliche Abschaffung des Rentensystems ist also mehr als unwahrscheinlich.
Wichtiger ist die Frage, wird mir meine Rente reichen. Diese lässt sich mit Gewissheit mit "Nein!" beantworten. Vorallem die Inflation und ihr eigener Lebensstandard arbeiten gegen sie. Einerseits werden die von den Versicherern gerechneten 70% Rentenbedarf des letzten Nettogehaltes in 20, 30 oder 40 Jahren deutlich weniger Kaufkraft haben. Andererseits ist es sehr wahrscheinlich, dass sie sich bis zum Rentenbeginn an einen gewissen Lebensstandard (Wohnungsgröße, Auto , Reisen, Hobbys) gewöhnt haben, der nur schwer mit deutlich weniger Geld zu erhalten sein wird. Die gesetzliche Rente reduziert sich im Laufe der Zeit von den heutigen 67 % auf 49 % in 2020 jeweils vom letzten Nettogehalt gerechnet. Ab spätestens 2035 ist mit Rentenbeträgen unter 40% zu rechnen.
Können sie sich vorstellen von 40 % ihres jetzigen Nettoeinkommens zu leben?
Dennoch bleibt die gesetzliche Rente das Fundament für ihre Altersvorsorge, ein Fundament allein ist allerdings noch lange kein Haus.
Denkfehler 3: Später hab ich mehr Geld zum Sparen
Diese Annahme ist einer der gefährlichsten Irrtümer überhaupt. Ein Großteil der Arbeitnehmer erfährt zwar binnen der ersten Jahre deutlich Gehaltssteigerung durch Aufstieg oder Abschluss von Ausbildungen und anderen Zusatzqualifikationen, in der Regel steigt jedoch der Lebensstandard, sprich ihre Ausgaben, kontinuierlich mit. Auch wenn sie mit 40 vielleicht deutlich mehr verdienen als mit 25, die Familie, die Wohnung und das Auto werden das Nötige dazu tun, dass sie eher weniger verfügbare Mittel übrig haben werden.
Weit verbreitet sind auch Kalkulationen auf Erbschaften. Ein Haus, das zum Zeitpunkt des Erbens noch hoch verschuldet ist, bringt ihnen wenig als Altersvorsorge. Vermögenswerte die jetzt eventuell noch vorhanden sind, können in 20 oder 30 Jahren durch bspw. einen Pflegefall oder Arbeitslosigkeit aufgebraucht sein. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Wirkung der Erbschaftssteuer.
Seien sie vorsichtig mit der Kalkulation auf fremde Vermögen, effizient absichern können sie sich nur selbst.
Denkfehler 4: Banken wollen nur mein Bestes
Grundsätzlich ist das natürlich korrekt. Die Frage ist nur, was sie unter ihrem Besten verstehen und was die Bank. Banken und Versicherer sind nun mal gewinnorientierte Unternehmen, sie verdienen auch an ihrer Altersvorsorge. Die Wahl der richtigen Produkte ist entscheidend für ihr individuelles Vorsorgeergebnis.
Ein Vermögensberater wird ihnen vor dem Vertragsabschluss immer eine sagenhafte kalkulierte Rechnung zeigen, verlassen sie sich darauf nicht. Interessant für die Leistung des Produktes ist in erster Linie einmal die garantierte Rentenleistung. Um zu entscheiden, sollten sie immer mit der gleichen Spardauer und Betrag rechnen um dann die garantierte Rentensumme zu vergleichen.
Es gilt für Rentenversicherungen ein tariflicher Garantiezinssatz von 2,75 %. Anders gesagt, wenn sie mit den gleichen Angaben bzgl. Spardauer und Betrag rechnen, müsste bei jeder Rentenversicherung theoretisch der gleiche Betrag entstehen. Leider ist dies nicht der Fall.
Grund dafür: Bei jeder Rentenversicherung entstehen auch Kosten, sprich Verwaltungsgebühren, Abschlussgebühren usw. usf.
Je niedriger also der ihnen angezeigte garantierte Rentensumme um so teurer ist das ihnen Angebotene Produkt. Nehmen wir einmal an, sie würden eine Jährliche Rendite von 5% auf ihre Rentenversicherung erhalten. Zu Grunde legen wir einen Sparbetrag von 100 Euro und 40 Jahre Ansparzeit.
- Beispiel 1: normaler Verlauf, Kosten 0,5 %: 131.085 Euro
- Beispiel 2: teurer Verlauf, Kosten 1 % : 116.121 Euro
Die Wahl des teureren Produktes macht in diesem Falle bei 0,5 % Kostenunterschied immerhin 15.000 Euro aus. Lassen sie sich nicht von Versprechungen blenden, vergleichen sie!
Empfehlungen: Premiummarkt / Altersvorsorge / Börse und Aktientipps / Guthabenzinsen / Immobilienfinanzierung / Imobilienfinanzierung
|